Dienstag, 25. Dezember 2007

Besser spät als nie:

Fröhliche Weihnachten!

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Es weihnachtet sehr...

Der Adventskalender ist fast vollständig geplündert (nur noch 5 kleine Päckchen übrig), die Geschenke sind besorgt und verpackt (oder doch zumindest in Planung), die wenigen Weihnachtskarten sind geschrieben...
Und ich packe meinen Rucksack, schmiede Pläne, wann ich Zeit zum Einkaufen und Schnittchen schmieren hab, ob ich lieber Donnerstag um Mitternacht oder Freitag um fünf am Morgen duschen sollte, ob ich mit 3 Hosen über die Feiertage komme...
Morgen Mittag ist "wigilia" mit allen Mitarbeitern und Behinderten, mit Wichteln und großem Fressen. Danach Theaterprobe mit Miniweihnachtsfeier, dann ein letztes Treffen für dieses Jahr mit meinen Lieblings - Freiwilligen Stefania, Akaki und Hana..
Und um 6:14 am Freitag geht's ab ins erste/zweite Zuhause...schön, ich freu mich auf euch!

Freitag, 14. Dezember 2007

Mam nadzieję, że nauczę się mówić po polsku...

Ja, ihr seht richtig, ich kann jetzt die ganzen lustigen polnischen Buchstaben mit meiner Tastatur schreiben. Und da sich der gestrige Tage wirklich hervorragend eignet, um mal über meine kleinen Polnisch - Lernfortschritte Bericht abzulegen, nutze ich das gleich mal aus. (Ich bin mir natürlich trotzdem nicht sicher, ob das, was ich hier so aufschreibe, grammatikalisch korrekt ist und ob die Rechtschreibung stimmt.)

Situation 1: Ein typischer Tag in der Galerie. Die Standard - Bastelanleitungen wie "Kleb das ma hierhin!" und "Nicht schief!" funktionieren inzwischen auch auf Polnisch ganz gut. Ich verstehe auch, dass sich Agnieszka gerade tierisch über Marcin aufregt, was sie aber an ihm auszusetzen hat, bleibt (für mich) verborgen. Ich verstehe, dass mir Danuta vorschlägt, ich könnte mir doch mal die Lippen rot anmalen. Ich kann ihr anworten, dass mir das nicht gefällt. Aber als Ewa dann anfängt loszulegen, verstehe ich wieder nichts, auch wenn sie versucht jedes "ja" in ihrer Rede wahlweise durch "I" oder "Ich" zu ersetzen - allerliebst von ihr, aber dieses Wort hab ich doch ausnahmsweise in meinem Wortschatz.
Situation 2: Ich muss zu Jarek ins Büro, um mir mein "food money" abzuholen. Bewaffnet mit einer Plastetüte voller Weihnachtskarten, die ich noch fix bei den Workshops vorbeibringen soll, mache ich mich auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle. Mist, keine Tickets mehr. Bei meinem Verbrauch dürfte es sich doch eigentlich lohnen, gleich mal 10 Tickets zu kaufen...also zum Kiosk gestapft und "Dziewięć bilety ZKM proszę!" gesagt. Zwei gelangweilte Augen blicken mich an und sagen: "Za ile?" Oh, super, "ile" verstehe ich, das heißt "wieviel". Seltsam, grad hab ich der Dame doch berichtet, dass ich zehn Tickets kaufen möchte. Na egal, ich sag's einfach noch mal, man weiß ja nie, ob die Aussprache korrekt war. Nach dem zweiten "Dziewięć" schaut sie nicht mehr gelangweilt, sondern ernsthaft genervt und sagt: "Tak, ale za ile?" Ach so, es geht gar nicht um die Anzahl, sondern darum, ob ich ein Ticket für 0,70 oder 1,40 zł kaufen möchte. Nachdem ich der Dame mitgelteilt habe, dass ich normale Tickets haben möchte (40 kann ich leider noch nicht auf Polnisch sagen, steht aber auf der Liste der Wörter, die ich schon seit Ewigkeiten mal nachschlagen will), wundere ich mich dann doch ein bisschen, warum 10 Tickets nicht 14 zł kosten. Des Rätsels Lösung: "Dziewięć" heißt "neun"!
Situation 3: Ich bin gerade in den Workshops und bringe noch fix die Weihnachtskarten vorbei. Auf der Suche nach Monika komme ich in einen Raum, in dem zwei ältere Herren an einer Maschine herumfuhrwerken. Irgendwas wichtiges liegt ihnen am Herzen, sie reden schnell und aufgeregt. Da bleibt mir nur mein Standartsatz: "Przepraszam, ale ja nie rozumiem po polsku." (Entschuldigung, aber ich verstehe kein Polnisch.) Die Antwort: "Ale Panie mowie po Polsku." (Aber Sie sprechen Polnisch.) Meine Antwort: "Tak, ale bardzo trochę!" (Ja, aber nur wenig.) Ihre Antwort: "Ale bardzo dobrze Panie mowie po polsku." (Aber Sie sprechen sehr gut Polnisch). Fast kann ich mich nicht entscheiden zwischen einem ungläubigen Grinsen und einem schüchternen "Dziękuję!"
Situation 4: Hardchore Weihnachtsshopping in der Galeria Bałtycka - 4 Stunden gezielt nach Geschenken rennen. Vollkommen erledigt, weil ich die ganzen bunten Schilder, die auf Rabattaktionen hinweisen nur so unvollständig verstehe, dass ich nicht weiß, ob ich jetzt zwei Schlüpfer zum Preis von einem kaufen kann, oder ob ich eine Paar Gratishandschuhe bekomme, wenn ich mir diesen Schal zulege, bestelle ich mir bei Mac Donalds einen Cheeseburger - yeah, es lebe die internationale Fastfood - Sprache, dachte ich, bis mich die Frau mit dem Cappi anguckt und zurückfragt: "Cheeseburgera?" Häh? Wo kommt denn jetzt das a her? Weder steht das auf der Tafel noch hab ich irgendeins dieser tückischen Pronomen verwendet, auf die stets ein anderer Fall und damit eine andere Wortendung folgen.
Situation 5: Oh schön, fast zu Hause, nur noch durch den Fugängertunnel. Und was sehe ich da? Ein Pappschild mit einer Filzstiftaufschrift, die übersetzt besagt: "Billige Strumpfhosen - große Auswahl". Mit der Frage, was genau man unter billigen Strumpfhosen verstehen muss, werde ich allein gelassen.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Dlaczego? Dlatego!

Ja, ich blogge weniger! Warum? Darum:
Langsam aber sicher komme ich hier an. Vorbei die Zeit, in der ich 24 Stunden am Tag die Abenteuerluft einsauge und mir einfach alles, aber auch wirklich alles erzählenswert erscheint. Mein Mitteilungsbedürfnis hat ein bisschen nachgelassen, denn wer hat schon das Bedürfnis täglich aus seinem ganz normalen Alltag zu berichten?
Das klingt negativ? So ist es nicht gemeint! Ich finde es beruhigend, dass ich nicht mehr vor lauter Herzklopfen aus den Latschen kippe, wenn ich ein SKM - Ticket kaufen muss und es ist ein gutes Zeichen, dass ein Abend außerhalb meiner Wohnung keine Besonderheit mehr ist!
Ja, langsam bin ich wohl in meinem polnischen Leben angekommen.

Freitag, 30. November 2007

Und morgen machen wir das erste Türchen auf...

Bald nun ist Weihnachtszeit....
Oh fein, als ich heut so gegen 17 Uhr, also in absoluter Dunkelheit, die Dluga entlang nach Hause gelaufen bin, da hab ich sie gesehen: Die erste offizielle Weihnachtsdeko. Also nicht die kleinen Tannenbäumchen im Shoppingcenter, die unter monströsen goldenen und/oder blauen Kugeln verschwinden, sondern diese Lichterdingsbumse, die quer über die Straße gehängt weren. Oh toll! Und weiter hinten, noch im Dunkeln, da stand er: Der Weihnachtsbaum. Das wird ein Fest, wenn der mich jetzt jeden Tag beim Nachhause - Gehen anstrahlt!
Und morgen früh wird das erste Türchen aufgemacht!

Mittwoch, 28. November 2007

Subjektiver Arbeitsbericht

Bisher dachte ich immer, dass sich meine Arbeit mit so steifen Worten wie "kreative Beschäftigung geistig Behinderter" beschreiben lässt. Ich bin mir da nicht mehr so sicher...

In regelmäßigen Abständen kommt es vor, dass Basia in einem anderen Teil unserer Organisation etwas erledigen muss, manchmal für einen halben Tag, manchmal aber eben auch für einen ganzen. So wie heute.
Für mich bedeutet das: Schon 9 Uhr zur Galerie watscheln, den Rolladen vor der Tür hochfahren (coole Sache - fühlt sich an, als ob ich Ladenbesitzer wäre), die Tür aufschließen und die leere Galerie betreten. Dann warten, bis alle so langsam eingetrudelt sind und dann einfach mal so 6 Stunden Beschäftigung in Form von möglichst kreativen Ideen aus dem Ärmel schütteln. Ich hätte nie gedacht, dass das so schwer ist, ehrlich!
Das tückische an der ganzen Sache: Die Galerie scheint eine Mischinstitution für Teenager, gesitig Behinderte und Menschen mit psychischen Störungen sein. Na Prost Mahlzeit. Ich freu mich ja ehrlich, dass Basia mir zutraut mit der Rasselbande allein zu bleiben, aber manchmal ist das wirklich "bardzo trudne" (sehr schwierig)!
Ein paar erklärende Episoden:
Da hab ich mir doch in den Kopf gesetzt mit meinen Herzchen einen Adventskalender zu basteln. Möchte mal jemand halb Polnisch, halb Englisch erklären, wie dieses Gebilde ausschauen soll, was man dafür braucht und das es nicht Sinn der Sache ist, wenn Agnieszka vier ihrer sechs Bildchen mit einem Tannenbaum und Weihnachtsgeschenken bemalt? Pani Wojtko arbeitete wie immer ganz gut, aber es war offensichtlich, dass es ihm wesentlich mehr Freude gemacht hatte mir Zeitungspapier zum Einpacken von Töpferwaren zu reichen, als kleine Engelchen mit Pastellkreiden zu malen. Marcin ist grundsätzlich eher schwer zum Arbeiten zu bewegen und mein "Marcin, pracujesz?" und "Marcin, co robisz?" geht mir mittlerweile schon selbst auf den Kranz. Ewa musste die ganze Zeit demonstrieren, dass sie unglaublich müde ist - toll, noch so eine hochmotivierte Persönlichkeit! Und Agnieszka arbeite zwar fleißig, hatte aber auch, wie immer, das Bedürfnis alle Anweisungen, die ich Marcin gegeben hab, noch mal in so richtig garstigem Ton zu wiederholen. Super, und wie weist man sie da jetzt auf Polnisch drauf hin?
Als Marcin innerhalb von 20 Minuten ungefähr zum fünften Mal vom Platz aufgesprungen war, stellte ich ihn vor die Wahl: Galerie sauber machen oder sich sinnvoll beschäftigen - ich hab ihn ja nicht einmal dazu gezwungen meine Adventskalender - Idee zu unterstützen. Daraufhin guckte er mich mit einem nicht zu definierenden Grinsen an und meinte: "Are you nervous?" What??? "No, I'm angry with you!". Es folgt eine unserer Diskussionen, an deren Ende er zwar sagt, dass es ihm leid tut, aber es ändert sich eben auch nichts. Und das Schlimmste: Eigentlich kann er ja gar nichts dafür! Denn Marcin ist nicht nur geistig behindert, sondern in erster Linie psychisch gestört. Super! Und wie soll ich jetzt damit umgehen? Was macht man, wenn sich eins seiner Schäfchen im Bad einschließt und sich 15 Minuten (und das ist ausnahmsweise mal keine meiner Übertreibungen) die Hände wäscht? Dann kam er raus, mit knallroten und eiskalten Händen und als er wieder am Tisch saß, erklärter er mir (übrigens nicht zum ersten Mal), dass er krank sei und das es ihm wehtun würde, aber das er wirklich nicht damit aufhören könne.
So sieht's aus auf meiner Arbeit. Grad befürchte ich, dass ihr ein falsches Bild von meinem Leben als EVSler bekommt, aber hey, eigentlich mach ich den ganzen Spaß ja gern. Nur die Tage, wo man genau weiß, dass man komplett auf sich allein gestellt ist und 6 Stunden lang niemanden zum Reden hat, die sind schwierig, das muss ich zugeben.

Dienstag, 27. November 2007

Wie lebt es sich denn so mit zwei Leben?

Am Freitag 6:12 bin ich in den Zug nach Stettin gestiegen - Heimatbesuch...aber wie jetzt, Heimat? Zu Hause? Wo? Wer? Was?Aaaaah!!!

Aber eins nach dem anderen:
Mein lieber Opa hat am Samstag zusammen mit seinen kleinen Zwillingsbrüdern eine riesen Familien - Geburtstagsfeier veranstaltet - eine gute Gelegenheit die ganze Rasselbande von Onkels, Tanten, Cousins, Cousinen und angeheirateten, verstieft-dingsbumsten Menschen...also viele Leute mal wieder zu sehen.
Deshalb also der interessante und von vielen Leuten belächelte Plan mich für einen Wochenendbesuch insgesamt 20 Stunden im Zug durchschaukeln zu lassen.

Seltsames Gefühl, die Strecke, die ich vor mehr als zwei Monaten hierher gefahren bin, mal in die andere Richtung zu zuckeln. Seltsam, wie sehr sich mein Blick auf Polen in nur zwei Monaten schon verändert hat. Liebevoll muss ich Dinge belächeln, die mich bei meiner Ankunft fast noch ein bisschen geschockt haben. Und als ich in Stettin in den Zug der DB einsteige, der mich über die Grenze bringen soll, hab ich nicht nur ein bisschen das Gefühl mein Heimatland zu verlassen, sondern bin auch ehrlich geschockt, wie unglaublich mich die Durchsagen in den deutschen Zügen und Bahnhöfen nerven. Wie oft sitze ich in Polen im Zug und starre nervös aus dem Fenster um auch ja nicht den richtigen Bahnhof zu verpassen, der grundsätzlich nicht angesagt wird. Aber das in Deutschland ist irgendwie auch nicht besser: Alle 5 Minuten irgendeine nervtötende Stimme, die den Stopp im kleinsten Kaff in allen Sprachen der Welt, aber mit anstrengend deutschem Akzent durchgibt - wie soll man da ein Buch lesen, Vokabeln lernen oder ungestört aus dem Fenster gucken können? Im nächsten Zug von Angermünde nach Berlin hab ich die Ehre mit zwei Wir - sind - so - cool - und - hören - Gangster - Mucke - mit - dem - Handy - Typen im gleichen Teil des Zuges zu sitzen.
Aber es wurde besser. Niemand, den ich an diesem Wochenende traf, gab mir auch nur einen Augenblick lang das Gefühl, die letzten zwei Monate in einem anderen Land gelebt zu haben. Nein, es war als wäre ich nie weg gewesen.
Als ich dann am Sonntagabend auf dem Fußboden meines geliebten Zimmers eine Flasche Wein mit Lukas, Aaron, Frie und Ben leerte (danke, der Abend war einfach, aber super!) konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich am nächsten Abend wieder in Danzig sein sollte. Nicht weil es hier so furchtbar ist, sondern einfach weil es irgendwie zwei verschiedene Leben sind. Und so lang ich mich grad in dem einen aufhalte, kann ich mir das andere nicht vorstellen.
Meine beiden Leben sind ziemlich toll und zum Glück so unterschiedlich, dass ich sie nicht permanent vergleichen muss. Aber ein bisschen anstrengend ist das "Hin - und - Her - Springen" doch, irgendwie, wie auch immer.
Das Wochenende war schön, danke an alle, die dazu beigetragen haben (damit meine ich auch Telefonate, versuchte Treffen und zufällige Begegnungen auf der Straße); der Abschied war nicht leicht, aber auch nicht so hart wie der letzte (was wohl nicht weiter verwunderlich ist, denn zu Weihnachten gehts ja schon wieder gen Leipzig) und das Ankommen war seltsam, aber nicht so verquer wie vor zwei Monaten.
Das Gefühl von einem Zu Hause zum anderen zu fahren bleibt komisch, aber vielleicht kann man sich sogar daran gewöhnen.

Mittwoch, 21. November 2007

Der Schlüssel zum Erfolg

Heut gibt's einfach mal wieder ne kleine Alltagsgeschichte.
Seit einer Woche wuseln in unserem Treppenhaus lauter Bauarbeiter herum, machen Krach, streichen die Wände und bespritzen unsere Tür mit Farbe. Und seit gestern haben wir einen neuen Briefkasten. Schick, wa? Aber wo bekomm ich den Schlüssel her?
Nachdem ich die drei Müllsäcke, die sich in unserem eh schon viel zu kleinen Flur stapelten, raus gebracht hatte, faste ich all meinen Mut zusammen und sprach einen der mürrischen Bauarbeiter an: "Gdzie jest klucz?" (Wo ist der Schlüssel) - und wedelte dabei mit den Armen in Richtung des neuen Briefkastens. Der Mann sagte irgendwas für mich unverständliches auf polnisch und zeigte auf den Briefkasten mit der Nummer 3 - wir haben aber die 6. Mhm...Zeit für meinen Standardsatz: "Movie (mit Haken am e) troche (wieder ein Haken) po polsko!", und dann sagte er in typisch polnischem Akzent: "Sprechen Sie ein bisschen Deutsch?" Na aber hallo! Am Ende dieser Konversation wusste ich dann, dass ich meinen Briefkastenschlüssel in der Wohnung Nr. 3 abholen muss - ja, da hätte ich vielleicht auch schon eher drauf kommen können. Also nix wie los, die Treppen raufgestiefelt - warum sind die Türen aller anderen Mitbewohner mit Plastikfolie abgeklebt, und unsere ist voller Farbspritzer? Egal!
Als die Tür von Nr. 3 geöffnet wurde, gab es ein freudiges Wiedersehen mit der Obstflecken - T-Shirt - Omi, deren Göttergatte uns damals mit der Haustür geholfen hatte. Die ahnte zum Glück schon was ich wollte, und fragte nur: "Klucz?". Und ich antwortete mit freudestrahlenden Augen: "Tak!". Dann folgte irgendein unverständliches polnisches Gemurmel, aber da sie vor einem kleinen Häufchen Papiertüten mit Zahlen drauf stand, versuchte ich es einfach mal mit folgender Antwort: "Sześć!" (sechs). Und siehe da, jetzt habe ich einen Briefkastenschlüssel.

Dienstag, 20. November 2007

Ein Tag in Sopot und ein Abend in Gdynia












Warszawa mit Agata und Rafaul








Die Idee?

Ich hab noch eine dritte Methode gefunden: Ich lass einfach mal ein paar Bilder sprechen!

Zurück im eigenen Chaos

So, da wär ich dann mal wieder - hat also doch ein bisschen länger gedauert, als ich dachte!
Hinter mir liegen 5 1/2 hektische, aber wunderschöne Tage. Mein Kopf ist voller Erlebnisse und Eindrücke, voller schöner und trauriger Gedanken und am liebsten möchte ich das alles rausplatzen lassen...ABER! Ja, da ist es, dass große ABER! Während der letzten Tage ist mir bewusst geworden, dass es unglaublich schwierig ist in Worte zu fassen, was ihn mir und meinem Leben gerade vorgeht. Nein, keine Angst, ich bin immer noch die gleiche Fränze - oder eben vielleicht doch nicht?
Gerade erlebe ich hier das, was ich mir so unglaublich für meine Zeit in Danzig gewünscht habe: Dass ich die ganze Zeit auf Achse bin; dass ich interessante Menschen treffe, mit denen man die beklopptesten Sachen anstellen kann, aber mit denen man eben auch mal ein ernsthaftes Gespräch führen kann, Leute, die einen Mal in den Arm nehmen und liebevoll über den Kopf streicheln, Leute, die die Arme ausbreiten und einen anstrahlen, wenn man sie in ihrer kleinen Volunteer - Wohnung besuchen kommt, Leute, bei denen man sich zu Haus fühlt, obwohl man sie erst seit 2 Wochen kennt; dass ich rumkomme und was von Polen sehe etc. etc. etc.
Und ich würde das so gerne teilen, aber ich hab das Gefühl, dass ich nur zwei Möglichkeiten habe: Entweder, ich berichte, was ich getan habe, oder ich schreibe so ein emotionales Rumgewurstel, wie gerade eben, mit dem ihr vielleicht gar nichts anfangen könnt.
Mal sehen, wo das hinführt, vielleicht erleb ich ja auch nochmal einen sehr rationalen Moment, in dem ich einfach nur ein bisschen berichten kann.
In diesm Sinne: Entschuldigung für das Gedankenchaos und Danke fürs Trotzdemlesen!

Mittwoch, 14. November 2007

Abmeldung

Morgen geht's auf nach Warschau. Warum? Ja, wenn ich das so genau wüsste.
Vor etwa zwei Wochen hat Natalia verzweifelt drei Freiwillige aus dem BigBrother BigSister - Projekt gesucht, die zu irgendeinem Event/Treffen/? nach Warschau fahren sollten. Da sie nur zwei gefunden hat, kam sie auf die glorreiche Idee mich dorthin zu schicken, auch wenn der ganze Spaß wohl auf Polnisch sein wird und ich die meiste Zeit mit den Ohren schlackern werde.
Also werde ich morgen 5:50 den Zug nach Warschau nehmen - und ja, das lässt sich mit meinen Schlafgewohnheiten nicht vereinbaren!
Aber egal, kostenlos zwei Tage Warschau, viele fremde Leute und überhaupt einfach ein bisschen Abwechslung in meinem kleinen danziger Leben - das kann ich mir doch nicht entgehen lassen!
Ich weiß noch nicht, wann es mich hier am Freitag wieder anspült und am Samstag sind wir mit dem BigBrother BigSister - Projekt, aber leider ohne meine kleine Ania, irgendwo in Polen auf einem Tagesausflug - den nächsten Eintrag verschiebe ich also einfach mal auf unbestimmte Zeit.
Bis denne, lasst es euch gut gehen, und hey, auch wenn ich gern hier bin - ihr fehlt mir!

Reden wir doch mal über das Wetter!

Das Wetter in Danzig macht mich fertig, ehrlich! Da wacht man früh auf, die Sonne scheint, die Pfützen glänzen und wenn man aus dem Bad zurückkommt, ist der Himmel dunkelgrau. Auf dem Weg zur Galerie fallen ein paar zarte Schneeflöckchen, eine halbe Stunde später bricht die Sonne durch die Wolkendecke und gleichzeitig fängt es an zu graupeln - häh? Was soll das?
Ganz ehrlich, da muss ich mich über meine Stimmungsschwankungen nicht wundern, oder? Das hält man doch im Kopp nich aus!

Dienstag, 13. November 2007

Das Land der Nicht-Versteher

"Niemcy" ist polnisch und bedeutet "Deutschland".
Als wir uns am Sonntag Nachmittag mit Kasia und Ania zum Käffchen trafen, fragte mich Ania, ob ich denn eigentlich wüsste, was Niemcy ursprünglich bedeuten würde - wusste ich natürlich nicht.
Die Erklärung: Polen und Deutsche sind Nachbarstaaten, können sich aber aufgrund der extremen sprachlichen Unterschiede nur schwer miteinander verständigen - und Niemcy bedeutet mehr oder weniger "das Land der Nichtversteher".

Montag, 12. November 2007

Es wird!

Es geht voran mit dem Unterfangen "Aufbau eines sozialen Netzes".
Am Samstag war ich zur Volunteer - Party in Gdynia, habe mit lauter netten und herzlichen Menschen getanzt, mit denen ich dann am Sonntag in Sopot zum Käffchen trinken war.
Und siehe da, sobald ich nicht mehr das Gefühl habe, dass ich ein bisschen Freundlichkeit in unserer Wohnung zum Überleben brauche, kann ich viel spaßiger mit meinem werten Mitbewohner umgehen und hab tatsächlich weniger Angst vor seiner schlechten Laune.
Ja, vielleicht brauch ich wirklich nur ein bisschen Geduld, mit mir und mit meiner Umwelt.

Samstag, 10. November 2007

Erst vergleichen, dann um Hilfe rufen...

Auf meinem Seminar in Warschau habe ich Stefania aus Italien und Akaki aus Georgien kennengelernt. Die beiden sind ebenfalls EVSler und wohnen in Gdansk Przymorze. Gestern abend hab ich die beiden in ihrer Wohnung besucht und es war nicht nur ausgesprochen schön mal mit jemand anderem zu kommunizieren, sondern auch ganz interessant eine andere Multikulti-WG und ihre Lebensweise zu bestaunen. Akaki und Stefania wohnen zusammen mit einer Ukrainerin und einem Griechen - und fragt mich nicht warum, aber irgendwie kommen die wesentlich besser miteinander aus als wir. Dort herrscht eine viel wärmere und herzlichere Atmosphäre, dort sitzt man gemeinsam an einem Tisch und mumpelt den köstlichen Nudelsalat, den Michalis (der Grieche) gemacht hat. Also ein Hilferuf an alle, die vielleicht nicht gerade frisch zu Hause "ausgezogen" sind, wie ich, sondern schon ein bisschen Erfahrung mit dem WG - Leben haben. Wie erreicht man einen freundlichen und offenen Umgang miteinander?

Perspektivwechsel



















Freitag, 9. November 2007

Die Frage nach dem Sinn

Mal so ganz rational betrachtet: Warum mache ich das hier eigentlich?
Ich verlasse Leipzig und damit so viele Dinge die ich so unglaublich lieb habe um mir in einer fremden Stadt in einem fremden Land für nichtmal ein Jahr ein Leben aufzubauen - mit allem was dazu gehört. Und während ich versuche mir hier ein Netz aus sozialen Kontakten aufzubauen, die Sprache lerne und alles daran setze so viele Menschen wie möglich kennenzulernen, verfliegt die Zeit.
Und warum zum Teufel mache ich das? Betrachten wir die Sache mal so: Wenn meine Pläne nicht aufgehen sollten und ich es nicht schaffe eben dieses soziale Netz aufzubauen, dann werde ich mir die Frage, wie es mir in Polen gefallen hat, nie mit einem ehrlichen "Gut!" beantworten können. Schaffe ich es allerdings, mir hier einen "Freundeskreis" aufzubauen, mich hier richtig wohl und zu Hause zu fühlen, wie schwer wird es dann werden nächsten Sommer die Koffer zu packen und sich wieder an das andere zu Hause zu gewöhnen?
Nein, so ganz klar ist mir gerade nicht, warum ich mich für diesen Weg entschieden habe...

Donnerstag, 8. November 2007

So ein Theater

Es gibt ziemlich viele Dinge, die ich schon immer mal ausprobieren wollte. Dummerweise sind die meist recht zeitaufwendig und so bleibt es beim guten Willen. Und eins dieser ominösen Dinge ist Theater spielen.
Teil unseres EVS- Projektes ist ein Theaterprojekt zusammen mit unseren "Geschwistern". Und heut war die erste Probe - allerdings ohne meine kleine Ania, die ist nämlich momentan zur Kur irgendwo in den Bergen.
Lustig war's trotzdem, zwei Stunden Theaterworkshop in Polnisch, Natalia, die ständig versucht hat zu übersetzen, 7 Freiwillige und 5 geistig Behinderte, lustige Pantomimespiele und Theaterübungen. Wie intensiv die ganze Angelegenheit wird, wird sich in der Zukunft zeigen - aber hey, ich besuche immerhin einmal in der Woche einen Theaterkurs.

Dienstag, 6. November 2007

Warszawa, Praga - Das zweite Gesicht Warschaus


















Nur um noch eines klarzustellen: Ich finde Warschau toll, aber das Wetter war furchtbar und die Altstadt hab ich meist im Dämmerlicht oder mitten in der Nacht gesehen - die Bilder sind dementsprechend nicht "bloggreif". Also bekommt ihr das zu sehen, was ich eh am allerliebsten fotografiere: das Unschöne!

Fränze jade do Warszawa

Da bin ich wieder, zurück aus der wundervollen Hauptstadt meines neuen Heimatlandes. Hinter mir liegen 4 Tage mit 23 lustigen, aufgeschlossenen und freundlichen Europäeren, die ihren EFD in Polen absolvieren. Ich habe einige Leute vom Ausreiseseminar wiedergetroffen, neue Kontakte zu Leuten in fast allen sehenswerten Städten Polens geknüpft, den Blick überWarschau vom Kulturpalast aus genossen, den Stadtteil Praga bestaunt und die Altstadt bewundert, mit Erasmus-Studenten aus Portugal Geburtstagslieder gesungen und Mut geschöpft, dass ich all die kleinen Problemchen, die mir in Danzig noch im Wege stehen, bewältigen kann.
Momentan habe ich keine Lust jede Einzelheit wiederzugeben, aber vielleicht packt mich ja in den nächsten Tagen das Blogger-Fieber dermaßen, dass ich die letzten Tage noch mal detailiert aufschreibe - aber ich versprech' mal lieber nix, wa?

Donnerstag, 1. November 2007

Abmeldung

Morgen geht's auf nach Warschau, zum On-arrival-Seminar!
Neuigkeiten aus meinem polnischen Leben gibt's vorraussichtlich wieder ab dem 6.11.!
Bis dahin: Lasst es euch gut gehen und passt auf euch auf, denn ich will euch doch alle nächsten Sommer gesund und munter wieder sehen.
Liebste Grüße von der Fränze

Friedhofstrubel





1. November, Allerheiligen, Hochfest der katholischen Kirche und Feiertag in Polen.
Das bedeutet für mich: Frühstück um zwölf! Und dann? Was macht man mit dem Rest eines freien Tages?
Man geht auf den Friedhof. Und was ich da gesehen hab, hat mich fast umgehauen. Der gesamte Friedhof vollgestopft mit Menschen aller Altersstufen; traurige, aber auch auffallend viele lachende Gesichter; Gräber, die unter unzähligen von Kerzen verschwanden. Mit ein paar mehr Friedhofsbesuchern hatte ich ja durchaus gerechnet, aber diese Massen?
Nach einer heißen Schokolade im Pikawa sind Elodie und ich im Finstern nochmal zurückgepilgert auf einen von tausenden von Kerzen beleuchteten Friedhof - wunderschön!
Die Bilder sind leider nicht besonders toll geworden, denn im hellen fand ich es etwas pietätlos Nahaufnahmen zu machen und im dunkeln war meine Hand zu wacklig. Egal, das hier ist keine Galerie, sondern ein Blog!

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Die Tiere sind unruhig...

"Die Tiere sind unruhig, die Kinder nervös, der Himmel ist fleckig, die Wolken monströs." (Kante, Die Tiere sind unruhig)
Vielleicht etwas übertrieben, aber irgendwas lag heute einfach in der Luft. Das Schwanken zwischen Müdigkeit und Aufgekratztsein; der Wechsel von blendendem Sonnenschein und kaltem Herbstregen; viel zu viel Leute, die heute aus den unterschiedlichsten Gründen in der Galerie vorbeigeschaut haben; Agnieszka, die ständig ihren schmerzenden Kopf in den Händen verbarg; Ewa, die mich mit ihrem aufgekratzten Lachen ganz verrückt gemacht hat; Marczin heute friedlich wie ein Lamm; Woijtek, der die ganze Zeit glückselig auf den Nici-Beany-Panther geschaut hat, den Marczin ihm aus unerfindlichen Gründen in die Hand gedrückt hatte; der seltsame Mann in schwarzem Mantel und Zylinder, der zweimal an der Galerie vorbeigelaufen ist. Und der Clown, der uns in der Galerie besucht hat, der Clown, der auch schon in Leipzig und Dresden gespielt hat, der Clown mit dem rot-karrierten Jacket, dem rot-gestreiften Pullover, der roten Hose, den rot-blonden Locken und der roten Neurotikerbrille.
Nein, es hätte mich nicht gewundert, wenn Eisbären in unserem Innenhof spazieren gegangen wären.

Schnippschnapp, Haare ab!


Montag, 29. Oktober 2007

Von verlorenen Schäfchen

Ja, ich wusste, dass der Katholizismus in Polen eine ganz andere Rolle spielt als in Deutschland. Aber zwischen theoretischem Wissen und einer praktischen Erkenntnis liegen manchmal Welten - und manchmal ca. 60 Minuten Gottesdienst.
Jarek hatte mir empfohlen am Sonntagabend doch mal in die 9 - Uhr - Messe in die Kirche des Heiligen Nikolaus zu kommen, weil dort immer ein Chor singen würde. Also nix wie los: Elodie geschnappt und auf ins große Abenteuer. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass die zwei, drei Besuche, die ich einem katholischen Gottesdienst bis jetzt in Deutschland abgestattet habe, nicht unbedingt positive Spuren in mir hinterlassen haben. Ich kann einfach nicht glauben, was sie glauben und daher all die Mystik, den Herdentrieb des Aufstehens und Hinsetzens, Hände faltens und Amen sagens nicht wirklich verstehen. Und ich bin fremd in dieser Welt, ich fühle mich fehl am Platz.
Aber ein bisschen fremd bin ich seit 6 Wochen ja überall wo ich stehe und gehe; nicht so, dass ich mich unwohl fühlen würde, aber eben doch ein bisschen. Warum also nicht dem ganzen die Krone aufsetzen und zu einem katholischen Gottesdienst gehen?
Und natürlich lässt sich mein Fazit nach dieser ellenlangen Vorgeschichte erahnen: Es war beeindruckend. Aber der Reihe nach.
Die Kirche ist wahrscheinlich eine der schönsten Kirchen, die ich je gesehen habe; tausend mal schöner als die Touristenattraktion Bazylika Mariacka, die eher durch ihre Größe, denn durch ihre Innenausstattung überzeugt. Aber noch viel beeindruckender waren die Menschenmassen, die in die Kirche strömten, die Bänke reichten bei weitem nicht aus. Und am meisten überraschte mich, dass die Leute hauptsächlich zwischen zwanzig und vierzig waren (ja, ich weiß, alle anderen waren in der 10-Uhr-Messe, aber trotzdem!), dass sie wie Leute aussahen, mit denen ich mich identifizieren könnte (versteht irgendjemand, was ich damit sagen will?).
Natürlich habe ich während der Messe kein Wort verstanden (außer "Jesus Christus" und das in allen möglichen polnischen Fällen), aber vielleicht war das auch gut so, vielleicht hätte ich sonst wieder festgestellt, dass mir all die Geschichten rund um Gott und den Erlöser und wie sie alle heißen, höchst schleierhaft vorkommen. So waren es 60 Minuten intensiven Nachdenkens über mich und die Welt und - man merkt ich bin ein Heidenkind - über die wunderschönen Stiefel des Mädchens vor mir. Aber es waren 60 Minuten, in denen mich nichts ablenken konnte, weil mich nichts ablenken durfte.
Ich glaube nicht, dass ich gläubig werde, aber ich glaube ich werde wieder hingehen.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Wie Alltägliches zur Ausnahme wird

Ich bin gestern in einem Auto gefahren. Nichts besonderes? Ja, das hätte ich vor 6 Wochen auch noch gesagt. Doch seit ich hier bin, bewege ich mich ausschließlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß (Ausnahme: Bei meiner Ankunft mussten wir die 10 Minuten Fußweg vom Hauptbahnhof zu unserer Wohnung mit dem Taxi zurücklegen, weil ich mich beim Koffer packen nicht zügeln konnte;-)).
Natürlich ist das alles nicht weiter wichtig, wenn interessiert's ob ich Auto oder Straßenbahn fahre.
Nur eine Frage stellt sich mir in diesem Zusammenhang: Welche Alltäglichkeiten werden sich hier noch zu Ausnahmen entwickeln?

Samstag, 27. Oktober 2007

Der Tag der kleinen Geschichten - Ergänzung zum 26.10.2007

Gestern abend war ich endlich mal wieder so richtig tanzen - fein! Die Polen bewegen sich zur Musik ungefähr genauso komisch wie wir (puhh, noch mal Glück gehabt) und freuen sich genauso wie wir, wenn solch kulturelle Highlights wie "I'm walking on sunshine" gespielt werden (MB, du fehlst mir). Als ich grad wie eine Giraffe auf Drogen auf der Tanzfläche rumgehüpft bin, meinte Misza plötzlich: "Das da drüben, das ist übrigens der Sohn von Donald Tusk." Achso! Da geht man nichtsahnend weg und schon sieht man den Sohn des - wahrscheinlichen - Nachfolgers von Kaczyński mit einer großen Blodine tanzen. Ach Polen, ich mag dich, und ich finde es schade, dass Angela Merkel keine Kinder hat, die man beim ausgehen boebachten kann.

Freitag, 26. Oktober 2007

Beobachtungen

Als ich vorhin mit der Straßenbahn gefahren bin, habe ich ein Fahrschulauto gesehen, dass bei rot mitten auf die Kreuzung einer Hauptverkehrsader gerollert ist und den gesamten Verkehr blockiert hat. Eine Weile geschah gar nichts, dann stieg plötzlich der Beifahrer (also wahrscheinlich der Fahrlehrer) aus, rannte ums Auto herum und riss die Fahrertür auf. Ein Mädel sprang heraus und rannte in entgegengesetzter Richtung ums Auto herum - lustig anzusehen und Erinnerungen an eigene Fahrstunden weckend! Ich versuchte Marczin und Elodie, mit denen ich auf dem Weg zu einer Vernisage war, zu erklären, was ich da grad beobachtet hatte, als die Frau, die neben mir in der Bahn hin und her geschüttelt wurde auf Englisch erklärte, dass es sich um eine Prüfungsfahrt gehandelt hätte, was man an irgendeiner Nummer am Auto erkennen würde. Autsch!

Donnerstag, 25. Oktober 2007

WERBUNG

Jarek sucht noch einen Freiwilligen für den Zeitraum von Februar bis Juli 2008. In Aussicht stehen: Arbeit mit Behinderten, wahrscheinlich eine Wohnung in Sopot zusammen mit zwei anderen Freiwilligen und ein Leben am Meer.
Die Bewerbung läuft jetzt gerade und falls irgendjemand Lust bekommen hat oder ihr irgendjemanden kennt, der eigentlich schon immer mal ins Ausland wollte, dann gebt einfach mal Bescheid. Informationen zum europäischen Freiwilligendienst gibt's auf der Seite www.go4europe.de.

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Alles geht so seinen Gang

Nein, ein besonderer Tag ist heut nicht. Auch gestern ist nichts weltbewegendes in meinem kleinen polnischen Leben geschehen. Aber es geht mir momentan einfach richtig gut hier.
Den gestrigen Abend hab ich mit Elodie im mikawa verbracht (wo sonst?) und bei heißer Schokolade mit Erdbeeren haben wir über zwei Stunden polnische und englische Tiernamen und Gemüsesorten gepaukt - ohne Fleiß keinen Preis, ich weiß!
Und ich merke tatsäschlich, dass es in kleinen Schritten vorwärts geht, dass ich kleine Dinge (ich meine wirklich kleine Dinge) auf Polnisch sagen kann, dass ich mehr von dem Polnischen Gebrabbel in der Galerie verstehe - nicht so, dass ich mitreden könnte, aber immerhin.
Und auch mit Agnieszka, Marczin, Wojtek und Ewa komme ich immer besser zurecht. Ich fange an ihre Macken zu kennen, zu wissen, mit wem man Geduld haben muss und wem man in den Hintern treten muss. Ja, es wird alles.

Dienstag, 23. Oktober 2007

Und einen großen Bruder gratis dazu

Gestern war Geschwistertag. So ganz lustig zu Mute war mir ja nicht, nachdem ich Lukas zum Bahnhof gebracht hatte, aber gleich das erste Treffen sausen lassen - nein, dass wollte ich dann doch nicht. Zum Glück!
Punkt 5 Uhr stand ich bei Ania vor der Haustür - Jagdhund Susy begrüßte mich wieder stürmisch, Mama Danuta war so liebenswert wie beim letzten Mal und Ania schleppte mich in ihr Zimmer. Noch wusste ich nicht so recht, wie wir uns die Zeit vertreiben sollten, aber schon kam Danuta mit einem Berg voller Fotos angestiefelt und ich schaute mir Ania als Baby, Ania im Schultheater, Ania in der Kirche an und kenne inzwischen die Namen aller ihrer Schulfreunde auswendig, weil sie alle Anwesenden auf jedem Bild wieder benannte und ich nicht so recht wusste, wie ich sie davon abhalten sollte, ohne dass sie denkt, dass mich das Foto-Gucken langweilt.
Und dann gab's Abendbrot, das war ein Fest. Einnahme einer Mahlzeit an einem gedeckten Tisch, frisch getoastetes Brot, leckerer Aufschnitt, Gemüseteller und ein großer Bruder. Ja, so kann's gehen, kaum wird man nochmal Schwester bekommt man gleich einen großen Bruder gratis dazu. Tomasz ist absolut freundlich gewesen und konnte wahnsinnig gut Englisch sprechen. Am Ende hat er mich zur Haltestelle gebracht, weil Danuta in ihrem niedlichen Englisch-Deutsch-Polnisch-Mix meinte, dass es zu gefährlich wäre, wenn ich allein gehen würde. Ihr seht, hier kümmert man sich gut um mich - es besteht also keinerlei Grund zur Sorge.

Montag, 22. Oktober 2007

Wieder allein...

Lukas sitzt im Zug nach Stettin, ich in meiner Wohnung in Danzig. Es wird nicht der letzte schwierige Abschied am Bahnhof gewesen sein, aber das ist ja -wenn man die Alternativen betrachtet - auch gut so. Ich hab es mir selbst ausgesucht, dass sollte ich nicht vergessen, aber auch wenn es wirklich nicht immer leicht ist, bereut habe ich es bis jetzt noch nicht.

21.10.2007 - Nachholepost


Wir können uns Glück kaum fassen, als wir aufwachen und die Sonne scheint. Mit Mütze, Schal und Handschuhen bewaffnet machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof - Malbork/Marienburg steht auf dem Programm.
Als wir mit dem Rumpelzug durch die sonnenbeschienene Herbstlandschaft fahren, verstehen wir, warum die Polen immer so von ihrem Land schwärmen. Als wir Kühe und Panzer zusammen auf einer Weide stehen sehen, eher nicht. Auch nicht, als wir durch das leblose Städtchen Malbork laufen. Aber als wir vor der Burg stehen, da ist es uns wieder klar. Da ist uns auch klar, warum das Schloss Marienburg zum Weltkulturerbe zählt. "Willkommen im Märchenland, in längst vergessenen Zeiten", schreit hier jeder einzelne Zentimeter. Man weiß nicht was man sich in diesem riesigen Burg-Schloss-Gelände zu erst anschauen soll, an jeder Ecke gibts es etwas zu entdecken.
Auf dem Heimweg im Zug sind wir totmüde, aber ein Besuch im mikawa in Gdansk muss einfach noch sein - Heiße Schokolade mit Honigwein, sehr zu empfehlen.
Unser letzter Tag nähert sich dem Ende, was soll ich dazu noch groß sagen...

20.10.2007 - Nachholepost

Wir wachen auf und - was für eine Überraschung - es gießt in Strömen. Tolle Wurst!
Aber diesmal lassen wir uns nicht unterkriegen und fahren nach Gdynia ins Aquarium. Nun ja, die chinesische Weichpanzerschildkröte war außerordentlich erheiternd, aber sonst...
Egal, wir lassen uns nicht unterkriegen! Im Nieselregen sind wir durch Gdynia gestapft und haben zur Belohung ein wunderschönes Café mit Samtsofas und leckerem Marzipan - Latte Macchiato gefunden. Todesmutig haben wir uns zurück in die Kälte gestürzt (ja, hier ist es nicht nur nass, sondern auch so richtig klirrend kalt geworden) und einen langen Strandspaziergang - natürlich wieder im Nieselregen - gemacht. Dafür gab's geniale Wolkenformationen über einer stürmischen See zu sehen.
Und schon ist der dritte Tag rum...kann mal bitte jemand die Zeit anhalten?

19.10.2007 - Nachholepost




Geburtstage sind schon immer eine schwierige Angelegenheit gewesen - für mich jedenfalls. Man versucht sich einzureden, dass es nur ein ganz normaler Tag ist und freut sich trotzdem wie ein kleines Kind darauf und wenn es dann so weit ist, ist einem die ganze Aufmerksamkeit fast ein bisschen zu viel - und gleichzeitig hofft man so sehr, dass einen die Leute, die einem wichtig sind, nicht vergessen.
Natürlich war auch dieser Geburtstag keine Ausnahme - na gut, vielleicht doch ein bisschen, denn ersten Schneematsch an einem 19.10. hatte ich bis jetzt noch nicht erlebt;-).
An dieser Stelle ein ganz dickes Dankeschön an alle, die mir ihre Glückwünsche (auf welchem Weg auch immer) übermittelt haben und natürlich ein extra Dankeschön für die lieben Geschenke, die mit dem Lukas-Kurier oder per Post hier angekommen sind. Danke, danke, danke!
Am Nachmittag haben wir uns dann doch noch mal rausgetraut, sind am Fluss entlang spaziert und ich habe in jeder Pfütze die Wassserdichte meiner Gummistiefel ausgetestet - nein, bloß weil ich jetzt 19 bin muss ich mich noch lange nich so benehmen! Danach sind wir auf den Turm der Marienkirche geklettert - Pflichtprogramm übrigens für jeden, der mich besuchen möchte.
Und zu guter Letzt gab's dicke, fette Geburtstagstorte im Café Pellowski - ohne Terasse.
Das war er, der Tag, jetzt bin ich wieder ein Jahr älter und steure auf die 20 zu - und ich bin mir nicht sicher, wie ich das finden soll.

18.10.2007 - Nachholepost

Meine neue Heimatstadt zeigt sich mal wieder von ihrer besten Seite: Aprilwetter im Oktober. Wir trauen uns trotzdem raus und schauen uns Sopot an, das kleine Städtchen am Meer, dass ich so lieb gewonnen habe. Wir quälen uns auf die bewaldeten Hügel hinter der Stadt, verlaufen uns ein bisschen und finden am Ende doch noch den einen Aussichtspunkt, den ich Lukas so unbedingt zeigen wollte. Auf dem Rückweg verliere ich auf dem schlammigen Waldboden das Gleichgewicht und setze mich so richtig in den Dreck - Hintern braun, unterer Teil vom T- Shrit braun, Rücken braun, Tasche braun - die Mole und das geheimnisvoll - gemütliche Café Jósef K. besuche ich mit Lukas Regenjacke um den Hüften - muss ja nicht jeder wissen, dass ich nicht laufen kann.

17.10.2007 - Nachholepost

Den ganzen Tag bin ich rumgelaufen wie Falschgeld, 40 Minuten zu früh am Bahnhof, Zeit totschlagen, grübeln...
Der Zug aus Stettin kommt an, Lukas steigt aus, Tränen der Wiedersehensfreude, das Chaos im Kopf beginnt.
Und über allem hängt die dunkle Wolke namens Abschied, die uns die nächsten Tage begleitet, die uns dazu drängen will, jede Minute zu nutzen.
Doch egal wie weh alles tut, wir sind um eine Erfahrung reicher: Man wird sich nicht gleich fremd, wenn man sich einen Monat nicht sieht.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Zusammen ist man weniger allein...

Juhu, Lukas ist da!

Dienstag, 16. Oktober 2007

Und es wird doch langsam Herbst

Nachdem die letzten drei Tage fantastisches Sonnenschein-und-im-T-Shirt-rumlauf-Wetter war, ist der Himmel nun grau. Aber Regenwolken gibt es auch im Sommer, nicht war?
Nein, es ist Herbst, weil in der Dluga (mit durchgestrichenem l - sprich Douga - ja, so ähnlich wie Douglas) die Bordsteine hochgeklappt werden - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Vor den Cafés und Restaurants - und davon gibt's hier reichlich, handelt es sich doch um die Touristenflaniermeile Nr.1 in Danzig - ist ein Art Holzterrasse aufgebaut. Gestern mittag auf dem Weg zum Bahnhof komme ich wie immer am Café Pellowski vorbei - und da fehlt etwas. Die Terrasse ist verschwunden und nur ein großer rechteckiger nasser Fleck erinnert noch daran, dass hier einen ganzen Sommer lang Eis und Kuchen geschlemmt wurden. Und heut nachmittag fehlte schon der zweite Vorbau.
Die Frau zwei Etagen über uns hat die Blumenkäste aus dem Fensterbrett genommen.
Ja, es wird Herbst in Danzig!

Montag, 15. Oktober 2007

Juhu, es ist ein Mädchen!

Am 11.12.1993 und am 18.08.1998 durfte ich mir am Telefon den gleichen Satz anhören: "Fränze, du hast ein Schwesterchen bekommen!"
Und heute wieder - oder zu mindest so ähnlich.
Am Nachmittag war ich mit Jarek verabredet, der mir erst mal die Hintergründe zu meinem Schwesterlein Ania erzählen wollte. Ania ist 15, ohne Behinderung geboren, nach einem Autounfall in ihrem 10. Lebensjahr ein halbes Jahr Koma und jetzt - nun ja, relativ fit, aber eben nicht mehr die Alte. Als Jarek mir die Geschichte erzählte, standen mir echt fast die Tränen in den Augen...
Aber wie das so ist, wenn man erfährt, dass man ein neues Geschwisterkind hat, fährt man noch am selben Tag ins Krankenhaus um den neuen Erdenbürger zu begrüßen - so ähnlich auch bei mir. Mit Jarek und der geliebten Klapperstraßenbahn ging's in den Danziger Stadtteil Zaspa. Und eine herzlichere Begrüßung konnte ich mir als neues Geschwisterkind gar nicht vorstellen - ja, die Polen sind wirklich sehr gastfreundlich!
Anias Eltern sind beide sehr freundlich und Anias Vater spricht ziemlich gut Englisch - puh! Der riesengroße, haarige Hund begrüßte mich stürmig - aber hey, am Ende hab ich ihn gestreichelt, ohne ihn die ganze Zeit nervös anzustarren. Und Ania? Eine kleines, lebenslustiges Mädel eben - mit furchtbarem Musikgeschmack (kann sich noch jemand an O-Zone mit Dragostea din tei (oder so ähnlich) erinnern?), Pferde und Hundepostern an der Wand und Büchern wie Harry Potter, Momo und Der kleine Lord im Regal. Zu meiner Erleichterung spricht sie recht gut Englisch - besser als Elodie;-). Und nachdem die Einführungsworte am Kaffeetisch gesprochen wurden, schleppte sie mich in ihr Zimmer und schloss die Tür - na das nenn ich mal besitzergreifend! Aber es ist natürlich vor allem ein wunderschönes Gefühl, wenn sich jemand so auf dich freut, dich kennen lernen will, dich über deine Lieblingstiere und dein Heimatland ausquetscht.
Dann hat uns Anias Mama zum Kaffeetisch zurückbestellt und mich mit köstlichem Kuchen gemästet - ein Traum!
Noch fix Nummern ausgetauscht und Montag als "Geschwistertag" festgelegt - ich bin gespannt, was mir die Zukunft als dreifache Schwester so bringt.

Sonntag, 14. Oktober 2007

Ohne Worte - Teil 2






















Ohne Worte - Teil 1






















Kaffeekränzchen auf französisch und andere kulturelle Hochgenüsse

Manchmal muss ich Elodie echt auf die Schulter klopfen, auch wenn es mir nicht leicht fällt, das zuzugeben. In einem Forum zur Dreistadt (Gdansk, Sopot, Gdynia) hat sie eine Polin aufgegabelt, die auch französisch spricht.
Gestern nachmittag haben wir uns im mikawa, einem kleinen, schnuckeligen Café mit der besten heißen Schokolade der Welt mit Kasia und ihrer Freundin Ania getroffen. Ich muss zugeben: Ich war ganz schön skeptisch, aber die beiden Mädels waren wirklich richtig nett; ein nächstes Treffen ist geplant. Ach ja, und Amtssprache bei unserem Kaffeekränzchen war französisch - ich hab mich zwar nicht getraut was zu sagen, aber immerhin das meiste verstanden. Stolz!

Am Abend stand dann hartes Kulturprogramm auf dem Plan - ein Jazzkonzert in Gdansk Zaspa. Ein Quartett um den Herrn Jörgensmann aus Deutschland (mir als Jazz - Kulturbanause sagt das natürlich nichts, aber vielleicht seid ihr da ja besser aufgestellt). Vier total abgedreht Musiker an Klarinette, Kontrabass, Xylophon und Schlagzeug. Und die Musik? Ungefähr so wie ein richtig anspruchsvolles Buch: Nicht leicht zu verfolgen, nichts zum Fallenlassen, aber trotzdem irgendwie genial. Wie gesagt, ich erschließe mir hier vollkommen neue Kulturkreise.
Heut abend steht übrigens ein Konzert von Kasia Nosowska auf dem Plan - keine Ahnung, wer das ist, aber das werd ich ja dann sicher rausbekommen.

Samstag, 13. Oktober 2007

Heavy Metal im Zauberwald

"So, how do you feel in Gdansk?" ist die einleitende Frage, die Jarek stellt, wenn wir uns zur Support - Group treffen. Support - Group bedeutet: Jarek, Natalia, Elodie, Vosvos/Ugur/mein türkischer Mitbewohner und ich sitzen bei einer Tasse Tee im Konferenzraum der Organisation und werten die letzte Woche aus.
Vosvos beantwortete die Frage wie folgt: "Fuck the Gdansk" - okay! Sein Unmut rührt daher, dass er in der Danziger Altstadt, die tatsächlich nicht gerade als Partymeile bekannt ist, bisher noch keinen Pub gefunden hat, der Heavy Metal spielt oder der ihm sonst irgendwie zusagt.
Aber die Polen wären wohl nicht als gastfreundliches Völkchen bekannt, wenn sich da nicht irgend wie Abhilfe schaffen ließe. Also hat uns Michal (mit durchgestrichenem l) gestern abend ins "troll" in Gdank Oliwa ausgeführt. Und ja, ich bin freiwillig mitgegangen, denn nichts ist schlimmer als einen Freitagabend allein zu Haus verbringen, wenn man eigentlich lieber etwas unternehmen möchte. Und so schlimm war's dann auch gar nicht. An die Wände des kleinen Pubs waren große verästeltete Bäume und niedliche Trolle gemalt (so etwa wie der aus "Harry Potter"). Aufgrund des hohen Alkoholkonsums waren die meisten Leute recht lustig anzuschauen und irgendwann hab ich es auch geschafft mich nicht jede Minute nervös umzudrehen um nachzuschauen, ob die Frau hintermir ihr Frettchen auch immer noch auf der Schulter sitzen hat (schließlich wollte ich dieses putzige Tierchen nur ungern in meinem Hosenbein wiederfinden).
Ihr seht, ich bekomme hier Einblicke in ganz neue Kulturkreise, denn ich habe keine Wahl - und das ist auch ganz gut so!

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Kaputt, geschafft, müde...

...nennt es wie ihr wollt.
Kennt ihr das Gefühl, nach einem anstrengenden Tag mit einer Körperhaltung wie ein Regenwurm und einer Gesichtsfarbe, die der eines Pavianpos verblüffend ähnelt in einem Sessel zu hocken und sich wie eine Mücke zu fühlen, die mitten im Blutbad erschlagen wurde?

Heute gab's richtig was zu tun in der Galerie. Nicht dass ich dort sonst vor Langeweile umkommen würde, aber in diesen vier Wänden tickt die Uhr normalerweise etwas anders. Aber morgen wird eine neue Ausstellung eröffnet und das heißt: Bilder rahmen, Bilder aufhängen, Bilder wieder umhängen etc.
Dann Polnischunterricht: 90 Minuten am Stück Konzentration pur. Aber auch ein bisschen Stolz, weil ich wieder was gelernt, verstanden, durchschaut hab. Und Parallelen zur deutschen oder französischen Grammatik herstellen konnte. Oh ich liebe sie, diese Regeln!

Dann den Weg nach Hause angetreten, am Danziger Hauptbahnhof zufällig Michal (mit durchgestrichenem l) getroffen, mit dem ich eigentlich 5 Minuten vorher bei mir zu Hause verabredet war. Nach Haus geseppelt, um die zu kleinen und zu kalten H&M- Schuhe gegen wärmeres und bequemeres Schuhwerk auszutauschen, dann in den Supermarkt Schokolade und ein Bierchen kaufen und dann auf einen grünen Hügel direkt hinter dem Danziger Bahnhof gekraxelt um in der Kälte die Einkäufe zu vernichten, über Gott und die Welt zu quatschen und dabei die ganze Zeit auf die Danziger Altstadt zu schauen, die heut leider mal nicht im Sonnenlicht glänzte.

Auf dem Heimweg bin ich dann noch mal im Supermarkt eingekehrt um neue Tütensuppen und ein Brot einzusacken und jetzt fühle ich mich nicht mal mehr in der Lage bis zum Wasserkocher zu laufen. Warum eigentlich, so viel war's doch nun auch wieder nicht!

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Alltagsleben




Letztens hat mir meine Oma einen Brief geschrieben. Das war ein Fest: Briefkasten öffnen und sehen, dass er mal nicht leer ist, Emfängername lesen und feststellen, dass man selbst gemeint ist, dann den Brief genüsslich die Treppe hoch in die Wohnung tragen um ihn dann aufzureißen. Fein!

In diesem Brief fragte mich meine (stets praktisch denkende;-)) Oma, wie ich denn da eigentlich so wohne. Deshalb heut mal ein Blogeintrag zu unserer Multikulti - WG.

Unsere Wohnung liegt im ersten Stock und hat Gitter vor den Fenstern. Die ersten zwei Tage hab ich mich schon ein bisschen eingesperrt gefühlt, aber inzwischen fühle ich mich einfach sicher. Wenn man unsere klapprige Wohnungstür beim ersten Versuch aufbekommt, ist man wirklich spitze. Belohnt wird man mit dem Anblick eines kleinen dunklen Flurs, in dem sich ein Kühlschrank, ein klappriger Tisch ohne Stühle, eine funkelnagelneue Waschmaschine und eine Küchenzeile mit Spülbecken und - immerhin - einer funktionierenden Elektroherdplatte aneinanderreihen. Ach ja, Mikrowelle und Wasserkocher hätte ich fast vergessen, obwohl die das Überleben eigentlich erst möglich machen.
Unser Geschirr wird regelmäßig abgewaschen, da wir nur eine sehr begrenzte Auswahl an Tellern und Gläsern zur Verfügung haben - und vom Fußboden essen will man dann doch lieber nicht.
Um die Lebensmittelversorgung kümmert sich jeder selbst; das ist unkomplizierter, denn wie sollte ich es vor Ugur (dem türkischen Vegetarier) rechtfertigen, dass ich Geld aus der Haushaltskasse für Wiener Würstchen ausgebe.
Weiter geht's mit dem Bad: Klein aber fein und leider ohne Tageslicht, aber ich will ja auch keine zu hohen Ansprüche stellen. Leider ist die Schiebetür an der Dusche kaputt, so dass man nach dem Duschen immer erst mal das Bad wischen muss - da bleibt der Staub wenigstens nicht überall liegen;-).

Elodie und ich teilen uns ein Zimmer, ich schätze es mal so grob auf 20 qm - also recht geräumig. Unsere Betten stehen weit genug auseinander, so dass wir uns nicht direkt auf der Pelle hocken müssen und auch mit den Schränkchen, die im Zimmer verteilt stehen, konnten wir uns arrangieren. Sogar einen riesengroßen Fernseher haben wir im Zimmer - funktionieren tut der allerdings nicht.
Absolut prima und für den EFD überhaupt nicht selbstverständlich ist, dass wir hier einen kostenlosen Internetzugang haben - weshalb ihr euch auch jeden Tag neue Unwichtigkeiten aus meinem Leben durchlesen könnt.

Wir verstehen uns alle recht gut miteinander, auch wenn Ugur eher allein vor sich hinwurstelt - schon allein, weil er die Chance hat auch mal die Tür zuzumachen. Und mit Klein - Elodie kann ich mich ganz gut arrangieren. Uns trennen Welten, aber wir lassen das beide nicht so raushängen und so passt das ganz gut.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Herzlich Willkommen in Westeuropa & Eoldie am Ende

In Danzig scheint momentan fast ununterbrochen die Sonne, aber es ist schweinekalt geworden.
Also hab ich meinen freien Montag ausgenutzt um mir die neu eröffnete Galeria Baltycka (mit durchgestrichenem l;-)) anzusehenund nach einer dicken Jacke zu suchen.
Und für einen Moment dachte ich wirklich ich bin in Deutschland. Zara neben Mango neben H&M neben Deichmann neben dem JackWolfskin - Store neben Rossmann etc.. Ich wusste, dass es diese Läden auch in Polen gibt, aber dann alle auf einmal in einer riesengroßen Einkaufspassage - das war schon irgendwie gewöhnungsbedürftig. Jetzt weiß ich wo ich hingehe, falls mich mal wieder das Heimweh packt.


Vor ein paar Tagen haben meine Mitbewohner und ich beschlossen, dass wir Elodie "Englischunterricht" (so richtig mit Grammatik etc.) geben müssen, denn auf der jetzigen Kommunikationsebene kommen wir einfach nicht weiter.
Gestern sind Elodie und ich dann losgestiefelt, in der Hoffnung irgendein verwertbares Buch zu finden, dass uns beiden ein bisschen auf die Sprünge hilft. Natürlich findet man in einem polnischen Buchladen kein Englisch - Französisch - Lehrbuch, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Als wir uns dann nach unserer erfolglosen Suche auf eine Parkbank setzten um den weitern Buch-Beschaffungs-Plan zu besprechen, fing die sonst so emotionslose Elodie auf einmal an zu weinen. Und da tat sie mir dann wirklich leid. Ihr Problem ist, dass sie ohne Englisch kein Polnisch lernen kann, den Französisch spricht hier nun wirklich kaum jemand. Und ich glaub sie hat Angst hier irgendwie den Anschluss zu verpassen (berechtigterweise).
Aber irgendwie hat es mir auch geholfen mal eine emotionale Regung bei ihr zu erleben, denn jetzt weiß ich wenigstens, dass ihr die ganze Sache - welch Wunder - nicht egal ist. Und mit der Motivation werden wir das schon packen.

Montag, 8. Oktober 2007

Wochenendschwestern in einer anderen Welt





Da bin ich wieder, zurück aus Jantar (so hieß die Stadt also!) und mit dem Kopf voller Eindrücke.
Samstag, 10:30: Treffen am Bus - eine Horde aufgeregter Behinderter und lauter freundliche polnische Freiwillige. Alle drücken und herzen sich - ein bisschen wie eine überdimensionale Kelly Familiy, nur schöner.
Natalia macht mich mit meinem Wochenendschwesterlein Magda bekannt, der Anfang unserer Beziehung ist schwierig, sie spricht kein Englisch und ich immer noch kein Polnisch.
Dann Busfahrt in einem Klappergestell, der Busfahrer telefoniert und ich muss an unsere Chorfahrt nach Verona denken, als uns der Busfahrer beinahe auf einem Rastplatz ausgesetzt hat, weil Tilo ein wichtiges Telefonat geführt hat - das sind so die kleinen aber feinen Unterschiede zwischen Deutschland und Polen.

12:45: Ankunft auf einem Bauernhof in Jantar. Wir beziehen unsere niedlichen Blockhütten, Natalia, ihre "Schwester" Patricia, Gregor, Magda und ich wohnen in einem Häuschen.

13:00: Mini - Zoo - Besuch. Ich nehme Magda an die Hand und das Eis ist gebrochen. Nach einer Weile traut sie sich sogar die Ziegen und Schafe zu füttern und sie strahlt mich mit großen Augen an. Langsam beginne ich zu verstehen, warum die anderen Freiwilligen große Schwester oder großer Bruder geworden sind und warum der Eindruck entsteht, dass sie sich wirklich(!) gern um ihre "Geschwister" kümmern.

14:00: Reiten. Ich bin drumherum gekommen, puh. Aber die Behinderten haben's geliebt.

15:00: Würstchen grillen am Lagerfeuer.

17:00: Großes GoCart - Rennen. Magda und ich siegen gegen Natalia und Patricia, nachdem wir erstmal fünf Minuten gebraucht haben, die ineinander verkeilten Autos wieder zu befreien. In der nächsten Runde sind wir dann leider ausgeschieden. Aber leckere "PrinzPolo" - Schokolade hat ja jeder bekommen. Langsam wird es dunkel draußen - und kalt. Michal (mit durchgestrichenem l), ein anderer Behinderter lädt uns zu seiner "Party" ein, massiert mir den Rücken und stoppft uns mit Süßigkeiten voll - ein Angebot, dass ich natürlich nicht ausschlagen kann.

21:30 Natalia und ich bringen unsere Geschwister ins Bett. Magda ist allerdings so selbstständig, dass ich eigentlich nur anwesend bin.
Danach sitzen wir Freiwilligen zusammen draußen in der Kälte, die zwei kleinen weißen Kätzchen schnurren auf meinem Schoß. Gegen Mitternacht muss ich mich verabschieden, da meine Beine sich wie Eiszapfen anfühlen (ganz zu schweigen von den Eisklotz- Füßen).

Sonntag
6:45: Ich wache zum ersten Mal auf, weil meine kleine ordnungsliebende Magda ihren Rucksack packt und dabei ihre Sachen in laut knisternden Plastiktüten verstaut.

8:00: Ich wurstle mich aus dem Bett, finde den Weg zur Dusche und werde wieder Mensch.

9:00: Frühstück zu fünft.

10:30: Treffen mit dem Rest der Gruppe. Jarek kommt wie immer zu spät.
Auf geht's Richtung Meer. Nachdem wir uns ca 20 Minuten durch den aufgeweichten, sandigen Waldboden gekämpft habe, fühlen sich meine Beine an, als ob ich einen Tag auf dem Stepper verbracht hätte. Aber zum ersten Mal an diesem Wochenende friere ich nicht!
Dann endlich am Meer. Ball spielen am Strand etc.

14:00: Noch ein paar letzte Runden auf dem GoCart drehen.

15:00: Würstchen grillen am Feuer. Nachdem ich Patricia ihre Ketchup - Schnute abgewischt hab, nimmt sie mich in den Arm und Jarek meint: "You see? You don't need any language!" Manchmal nicht!

16:00: Zurück in die Stadt, Magda probiert stolz alle Klingeltöne ihre neuen Handys aus und ich bin fix und fertig und fühle mich nicht, als ob ich zwei wunderschöne Tage auf dem Land verbracht hätte, sondern eher, als ob ich 48 Stunden Päckchen im Bennoverlag gepackt hätte.

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Irgendwie bin ich ein bisschen geplättet von diesem Wochenende, ich weiß nicht so recht, wie ich all diese Erfahrungen und Eindrücke in Worte packen soll - in diesem Sinne: Sorry, falls es an manchen Stellen ein bisschen zu sachlich oder zu emotional geworden ist.









Freitag, 5. Oktober 2007

Wir fahren ans Meer!

Morgen machen wir einen Ausflug. Ans Meer. Den Namen der Stadt konnte ich mir leider nicht merken, klang Polnisch.
In der Organisation, in der ich arbeite, gibt es ein "Big Brother, Big Sister" - Projekt, bei dem jeder Behinderte ein freiwilliges Geschwisterkind bekommt. Das Geschwisterpärchen unternimmt dann regelmäßig etwas, Ziel der Sache ist es, ein möglich freundschaftliches Verhältnis zwischen beiden aufzubauen und die Behinderten aus ihren Wohnungen hinaus in die Welt zu holen. Auch Elodie, Ugur und ich werden ein Geschwisterchen bekommen. Und damit wir uns schon ein bisschen an das Projekt gewöhnen können, fahren wir dieses Wochenende mit zum Ausflug der Geschwisterpaare. Ans Meer. Was uns dort erwartet: Natalia erzählte so am Rande etwas von Pferden und reiten - und ich hoffe das bleibt auch eher so ein Randthema, denn ich kann mich immer noch lebhaft an die Woche Reiterferien erinnern, die ich mal zum Geburtstag bekommen hab. Ansonsten: Lagerfeuer, in der Natur rumstiefeln etc. pp..
Outdoor, aber ohne Zelten!
Als drückt mir/uns die Daumen, dass uns das Wetter nicht im Stich lässt. Morgen gibt's dann sicher keine Neuigkeiten von mir zu hören, vielleicht am Sonntag wieder.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Schritt für Schritt

Das erste mal Polnischunterricht. Mir brummt der Schädel und ich weiß vor lauter Zischlauten nicht mehr ein und aus. Die polnische Sprache ist mir ein Buch mit sieben Siegeln. Nein, nicht ganz. Ich habe heute die ersten regelmäßigen Verben kennengelernt und Zusammenhänge zwischen Adjektiven und Adverben finden können. Es kommt Ordnung ins Chaos, oh wie ich das liebe. Die Sprache wird greifbarer und das Gesagte wirkt plötzlich nicht mehr nur wie eine willkürliche Zusammensetzung aus chr, sch, tsch, ch etc.
Ich habe Hoffnung, dass ich mich mit dem Polnischen anfreunden kann - und zugegeben: die Sprache klingt viel schöner, als ich das vor drei Wochen gedacht hätte.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Im falschen Film

Wir waren heute im Kino; etwa 30 Mann, davon ca. 20 Behinderte.
Der Film: Katyn (mit Schrägstrich über dem n). Ich weiß nicht, ob euch das was sagt - ich konnte jedenfalls trotz zwei Jahren Hard-Core-Geschichts-LK beim Herrn Dufke mit diesem historischen Ereignis nichts anfangen. Worum geht's? "Im Massaker von Katyn ermordeten zu Beginn des Jahres 1940 Einheiten des sowjetischen Geheimdienstes NKWD in einem Wald nahe Smolensk mehrere tausend polnische Offiziere und Zivilisten" sagt Wikipedia - dort könnte ihr auch die anderen Einzelheiten nachlesen.
Wir saßen also im Kino, vor uns eine lärmende Schulklasse, hinter uns ein lärmende Schulklasse. Popcorn - Dauerbeschuss und rhythmisches Chipskauen.
In Polen werden Filme übrigens im Normalfall in der Originalsprache und mit Untertiteln gezeigt. Deshalb verstand ich auch auf einmal alles prima, als ein SS-Honk die Wiedereröffnung der Krakauer Universität verbot und alle, die sich im Saal befanden verhaftete und in ein Arbeitslager verschleppen ließ. Die Szene war vergleichsweise unblutig, aber ich habe mich noch nie in meinem Leben so für die Geschichte meines Heimatlandes geschämt. Bisher war ich immer der Meinung, dass meine Generation zwar unbedingt das Wissen über die Nazizeit haben müsse, dass es aber nichts bringe, wenn wir uns, die wir über 40 Jahre nach Ende des Krieges geboren sind, immer noch schuldig fühlen. Wenn man sich im deutschen Kino Filme über die NS-Zeit anschaut, dann weiß man, dass alle im Kinosaal die gleiche Landesgeschichte erzählen, aber wie seltsam fühlt es sich an auf einmal unter den Kindern der Opfer zu sitzen.
Der Film war gut, aber ich bin mir sicher ich habe ihn mit anderen Augen gesehen, als der Rest der Zuschauer.

Dienstag, 2. Oktober 2007

Durchsichtige Frösche

Forscher haben es geschafft transparente Frösche zu züchten. Toll!
Da hab ich mich dann folgendes gefragt: Wenn Forscher durchsichtige Frösche schaffen können, kann mir dann nich mal jemand ein kleines bisschen Orientierungssinn einpflanzen?
Heute war ein Treffen mit unserem Projektleiter Jarek angesagt, Auswertung der ersten Tage in den Projekten, Neuigkeiten austauschen, Probleme ansprechen etc.
Um in Jareks Büro zu kommen muss man bis zum Hauptbahnhof laufen, dann mit der/die/das SKM zur Station Gdansk Oliwa fahren und dann noch mal 15 Minuten laufen. Natalia ist diesen Weg schon ein paar Mal mit uns gelaufen. Aber das ist schon über eine Woche her.
Schon der Weg von der Galerie (und nicht wie gewohnt von zu Hause) bis zum Bahnhof war kompliziert. Aber nach einigen Wendemanövern saß ich im Zug. In Gdansk Oliwa hab ich den Bahnhof erst mal auf der falschen Seite verlassen und mich gewundert, warum ich mich so gar nicht an diesen Platz erinnern konnte. Also wieder zurück, auf der anderen Seite aus dem Bahnhof raus und auf ging's! Bis zur großen Kreuzung und zum Pizzamann hab ich den Weg problemlos gefunden, aber dann? Ich kannte die Kreuzung, wusste genau, dass ich hier richtig war, aber wie's weiter geht? Keine Ahnung! Nachdem ich in die falsche Richtung losgelaufen war, hab ich Jarek angerufen und Natalia hat mich aufgesammelt.
Mein Stadtplan von Danzig lag übrigens zu Hause. Wo auch sonst.

Aber hey, ich habe heute in meinem Lieblings-Mini-Einkaufsladen zwei Flaschen Wasser gekauft, sollte 2,58 zloty (das l müsste eigentlich durchgestrichen sein) bezahlen, hab 3 hingelegt und die Frau mit großen Augen gefragt, ob sie noch 8 Grosche (so wirds gesprochen, geschrieben sieht's sicher ganz anders aus) haben möchte - und sie hat mich verstanden, JIPPIE!

Montag, 1. Oktober 2007

Verdammt, ich muss wirklich Polnisch lernen!

Montag, neue Woche, neues Glück!
Als ich heute gegen 10 Uhr in die Galerie kam, meinte Basia, dass ich mit Martin und Agniesckia zu einem anderen Teil der Organisation fahren sollte, ein paar Dinge dort vorbeibringen, ein paar einsammeln. Ja, ich bin schon mal dort gewesen, aber alle die mich kennen wissen: Wenn es um Fränze und Wege und Orientierung geht, ist einmal keinmal. "Martin will show you the way!" meinte Basia dann aufmunternd. Nein, wir haben uns nicht verlaufen und Martin wusste wirklich wo's langgeht, ABER dieser Rollentausch von der, sagen wir mal "führenden" Person zu der Person, die geführt werden muss, war irgendwie furchtbar schwierig. Wie kann man blind einer Person vertrauen, auf die man eigentlich aufpassen soll? Hinzu kommt, dass Martin auf seine Art ziemlich durchtrieben ist. Er versteht mich recht gut, wenn ich Englisch spreche, und weiß gleichzeitig, dass ich ohne seine "Übersetzungskünste" total aufgeschmissen bin. Auf mein klägliches "Martin, can you please help me?" antwortet er nicht selten mit einem simplen "Nie!". Prima!
Wir saßen also in der Straßenbahn - ich glaube die Straßenbahnfahrer brauchen hier keine Fahrerlaubnis, denn ihr Verhalten ist echt lebensgefährlich - und während sich mir die Tür in die Schulter rammte kam ein Kontrolleur. Da Martin einen Behindertenausweis hat, muss ich als seine Begleitperson keine Fahrkarte lösen, aber so was kann ich natürlich nicht ausdrücken. Also musste ich wieder mal hilflos auf Martin zeigen usw. usw.
Es ist kein Wunder, dass ich für ihn keinerlei Autorität bin, wie auch?

Vielleicht ist dieser Perspektivwechsel aber auch gar nicht so schlecht gewesen, so komme ich wenigstens gar nicht erst auf die Idee mich auf's hohe Roß zu setzten und mich besser gestellt zu fühlen.
Und ich kann mir langsam aber sicher vorstellen, wie sich Elodie fühlt. Oder ein Taubstummer.
Und ich weiß, dass es nur eine Lösung für dieses Problem gibt, und die heißt: Polnisch lernen!

Sonntag, 30. September 2007

Hoch lebe der Kugelschreiber!

Ich habe ein polnisches Wort verstanden. Ich meine ein Wort, dass nicht "Guten Tag" oder "Vielen Dank" bedeutet. Das Wort heißt Kugelschreiber. Ich würde jetzt ja gern das polnische Wort aufschreiben, aber ich kann auf meiner Tastatur kein durchgestrichenes L finden. Geprochen wirds: Dougopiß.
Momentan ist in Danzig ein Kulturfestival und gestern abend haben auf dem großen Platz hinter dem Goldenen Tor eine Band aus Nigeria, eine aus Angola und eine aus Jamaica gespielt. Großer Spaß! Das sonst so gesetzt wirkende Gdansk zappelt zu Reggae und irgendwelche Hippies pusten Seifenblasen in die Luft, während der polnische Nigerianer auf der Bühne von "No more bloodshed, no no no no more war!" singt. Und mitten in diesem Gewühl fragt eine Frau nach einem Kugelschreiber. Und ich habe sie verstanden. Einen Kugelschreiber hatte ich leider nicht, sonst hätte ich auch noch ein erfreutes "Tak!" von mir geben können.

Samstag, 29. September 2007

Urlaub für die Seele und Danzigs Grünau

Heute habe ich Urlaub gemacht.
Bis jetzt habe ich in diesem Blog noch nicht viel gutes an Elodie gelassen, was zugegeben nicht ganz fair ist. Und eins ist an ihr wirklich prima: Sie holt mich aus der Wohnung raus.
Per SKM (ein klappriger S-Bahn-Verschnitt) sind wir in den Stadtteil Gdansk Oliwa gefahren, haben uns dort auf eine Parkbank gehockt, bis wir vom Herbstwind so durchgefröstelt waren, dass auch die müden Sonnenstrahlen nicht mehr viel ausrichten konnten. Dann weiter zum Strand, barfuss durch den Sand, das Meerwasser umspült die Füße, der Wind pustet den Kopf klar. Hinterher eine Heiße Schokolade in einem Café mit Meerblick und ohne Charme. Wahrscheinlich war das genau das Programm, das ich heut gebraucht hab. Es war ein bisschen wie Urlaub für die Seele.
Auf dem elend langen Weg zurück vom Strand zur nächsten SKM - Haltestelle sind wir durch den wunderschönen Stadteil Gdansk Przymorze gelaufen. Ich glaube dieser Stadtteil unterscheidet sich von Leipzig Grünau nur dadurch, dass er größer ist. Ein anrührendes Bild fand ich aber auch in dieser tristen Gegend: An der schmalen Seite eines überdimensionalen Wohnblocks aus längst vergangenen Zeiten hat jemand einen winzigen Garten angelegt, mit niedrigem Zaun und bunten Blümchen - ein Fleckchen Hoffnung im grau der Blocks, so schien es. Auf einem Balkon hingen Pilze zum trocknen auf der Leine.

Freitag, 28. September 2007

Tage wie dieser

Es gibt Tage, an denen passiert einfach nichts spannendes. Es gibt Tage, die sind einfach viel zu lang und wehren sich mit Händen und Füßen dagegen endlich zu vergehen.
Diese Tage haben die schlechte Eigenschaft viel zu viel Platz zum denken zu lassen - und das ist in den seltensten Fällen gesund!
Aber ich habe Hoffnung, denn es ist dunkel draußen und daraus schlussfolgere ich einfach mal ganz kühn, dass dieser Tag zu Ende geht.
Auf dass es morgen besser wird!