Mittwoch, 3. Oktober 2007

Im falschen Film

Wir waren heute im Kino; etwa 30 Mann, davon ca. 20 Behinderte.
Der Film: Katyn (mit Schrägstrich über dem n). Ich weiß nicht, ob euch das was sagt - ich konnte jedenfalls trotz zwei Jahren Hard-Core-Geschichts-LK beim Herrn Dufke mit diesem historischen Ereignis nichts anfangen. Worum geht's? "Im Massaker von Katyn ermordeten zu Beginn des Jahres 1940 Einheiten des sowjetischen Geheimdienstes NKWD in einem Wald nahe Smolensk mehrere tausend polnische Offiziere und Zivilisten" sagt Wikipedia - dort könnte ihr auch die anderen Einzelheiten nachlesen.
Wir saßen also im Kino, vor uns eine lärmende Schulklasse, hinter uns ein lärmende Schulklasse. Popcorn - Dauerbeschuss und rhythmisches Chipskauen.
In Polen werden Filme übrigens im Normalfall in der Originalsprache und mit Untertiteln gezeigt. Deshalb verstand ich auch auf einmal alles prima, als ein SS-Honk die Wiedereröffnung der Krakauer Universität verbot und alle, die sich im Saal befanden verhaftete und in ein Arbeitslager verschleppen ließ. Die Szene war vergleichsweise unblutig, aber ich habe mich noch nie in meinem Leben so für die Geschichte meines Heimatlandes geschämt. Bisher war ich immer der Meinung, dass meine Generation zwar unbedingt das Wissen über die Nazizeit haben müsse, dass es aber nichts bringe, wenn wir uns, die wir über 40 Jahre nach Ende des Krieges geboren sind, immer noch schuldig fühlen. Wenn man sich im deutschen Kino Filme über die NS-Zeit anschaut, dann weiß man, dass alle im Kinosaal die gleiche Landesgeschichte erzählen, aber wie seltsam fühlt es sich an auf einmal unter den Kindern der Opfer zu sitzen.
Der Film war gut, aber ich bin mir sicher ich habe ihn mit anderen Augen gesehen, als der Rest der Zuschauer.

Keine Kommentare: