Montag, 8. Oktober 2007

Wochenendschwestern in einer anderen Welt





Da bin ich wieder, zurück aus Jantar (so hieß die Stadt also!) und mit dem Kopf voller Eindrücke.
Samstag, 10:30: Treffen am Bus - eine Horde aufgeregter Behinderter und lauter freundliche polnische Freiwillige. Alle drücken und herzen sich - ein bisschen wie eine überdimensionale Kelly Familiy, nur schöner.
Natalia macht mich mit meinem Wochenendschwesterlein Magda bekannt, der Anfang unserer Beziehung ist schwierig, sie spricht kein Englisch und ich immer noch kein Polnisch.
Dann Busfahrt in einem Klappergestell, der Busfahrer telefoniert und ich muss an unsere Chorfahrt nach Verona denken, als uns der Busfahrer beinahe auf einem Rastplatz ausgesetzt hat, weil Tilo ein wichtiges Telefonat geführt hat - das sind so die kleinen aber feinen Unterschiede zwischen Deutschland und Polen.

12:45: Ankunft auf einem Bauernhof in Jantar. Wir beziehen unsere niedlichen Blockhütten, Natalia, ihre "Schwester" Patricia, Gregor, Magda und ich wohnen in einem Häuschen.

13:00: Mini - Zoo - Besuch. Ich nehme Magda an die Hand und das Eis ist gebrochen. Nach einer Weile traut sie sich sogar die Ziegen und Schafe zu füttern und sie strahlt mich mit großen Augen an. Langsam beginne ich zu verstehen, warum die anderen Freiwilligen große Schwester oder großer Bruder geworden sind und warum der Eindruck entsteht, dass sie sich wirklich(!) gern um ihre "Geschwister" kümmern.

14:00: Reiten. Ich bin drumherum gekommen, puh. Aber die Behinderten haben's geliebt.

15:00: Würstchen grillen am Lagerfeuer.

17:00: Großes GoCart - Rennen. Magda und ich siegen gegen Natalia und Patricia, nachdem wir erstmal fünf Minuten gebraucht haben, die ineinander verkeilten Autos wieder zu befreien. In der nächsten Runde sind wir dann leider ausgeschieden. Aber leckere "PrinzPolo" - Schokolade hat ja jeder bekommen. Langsam wird es dunkel draußen - und kalt. Michal (mit durchgestrichenem l), ein anderer Behinderter lädt uns zu seiner "Party" ein, massiert mir den Rücken und stoppft uns mit Süßigkeiten voll - ein Angebot, dass ich natürlich nicht ausschlagen kann.

21:30 Natalia und ich bringen unsere Geschwister ins Bett. Magda ist allerdings so selbstständig, dass ich eigentlich nur anwesend bin.
Danach sitzen wir Freiwilligen zusammen draußen in der Kälte, die zwei kleinen weißen Kätzchen schnurren auf meinem Schoß. Gegen Mitternacht muss ich mich verabschieden, da meine Beine sich wie Eiszapfen anfühlen (ganz zu schweigen von den Eisklotz- Füßen).

Sonntag
6:45: Ich wache zum ersten Mal auf, weil meine kleine ordnungsliebende Magda ihren Rucksack packt und dabei ihre Sachen in laut knisternden Plastiktüten verstaut.

8:00: Ich wurstle mich aus dem Bett, finde den Weg zur Dusche und werde wieder Mensch.

9:00: Frühstück zu fünft.

10:30: Treffen mit dem Rest der Gruppe. Jarek kommt wie immer zu spät.
Auf geht's Richtung Meer. Nachdem wir uns ca 20 Minuten durch den aufgeweichten, sandigen Waldboden gekämpft habe, fühlen sich meine Beine an, als ob ich einen Tag auf dem Stepper verbracht hätte. Aber zum ersten Mal an diesem Wochenende friere ich nicht!
Dann endlich am Meer. Ball spielen am Strand etc.

14:00: Noch ein paar letzte Runden auf dem GoCart drehen.

15:00: Würstchen grillen am Feuer. Nachdem ich Patricia ihre Ketchup - Schnute abgewischt hab, nimmt sie mich in den Arm und Jarek meint: "You see? You don't need any language!" Manchmal nicht!

16:00: Zurück in die Stadt, Magda probiert stolz alle Klingeltöne ihre neuen Handys aus und ich bin fix und fertig und fühle mich nicht, als ob ich zwei wunderschöne Tage auf dem Land verbracht hätte, sondern eher, als ob ich 48 Stunden Päckchen im Bennoverlag gepackt hätte.

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Irgendwie bin ich ein bisschen geplättet von diesem Wochenende, ich weiß nicht so recht, wie ich all diese Erfahrungen und Eindrücke in Worte packen soll - in diesem Sinne: Sorry, falls es an manchen Stellen ein bisschen zu sachlich oder zu emotional geworden ist.









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