Dienstag, 25. September 2007

Eine verschlossenen Tür, blaue Schultern und ein alter Mann in Jogginghosen

Unsere Haustür lässt sich durch einen Code öffnen: Man muss ihn eingeben, die Tür schnurrt wie ein asthmatisches Kätzchen, man wirft sich mit aller Kraft dagegen und dann steht man im Hausflur. Normalerweise. Gestern hat das nicht ganz so gut funktioniert: Nachdem Elodie vom Einkaufen zurück war und ich mein Lesestündchen im "Innenhof" unseres Hauses beendet hatte, warf ich mich wie immer todesmutig gegen die Tür - und nichts passierte. Wir versuchten es abwechselnd so an die 10 Mal, dann gaben wir auf. Der Schlüssel an unserem Schlüsselbund passt übrigens nicht in die Haustür, super!
Erst haben wir ein bisschen gewartet, auf was wussten wir glaub ich selbst nicht so genau. Dann haben wir Jarek angerufen, der natürlich von sich zu Hause aus nichts ausrichten konnte. Aber wir haben ihn angerufen. Jarek gab uns den Tip, doch einfach mal bei den Nachbarn zu klingeln. Schlau, was? Das Problem: In unserem Haus wohnen außer uns eigentlich nur alte Leute - und mit alt meine ich wirklich alt, so die Generation, die wahrscheinlich kein Englisch in der Schule gelernt hat. Egal, irgendwas mussten wir ja tun! Bei den ersten beiden Versuchen antwortete niemand, beim dritten Klingeln antwortete ein Mann. "Can you please open the door?", sagte ich so flehend und Mitleid erregend wie irgendwie möglich - eigentlich echt 'ne bescheurte Idee, denn ich würde als alter Herr wohl auch keinen jungen Menschen die Tür öffnen, die nicht mal die Landessprache beherrschen - alles Bettler und Lumpenpack;-). Eine Weile kam polnisches Geblubbel aus der Sprechanlage, bis ich ein verzweifeltes "No Polish" von mir gab - und siehe da, er verstand was ich meinte. Etwa zwei Minuten später beäugte er uns misstrauisch an der Haustür und blaffte "Who are you?" "We'are volunteers" war unsere schüchterne Antwort. "And we are living in this house." Er ließ uns rein und wartete bis wir die Wohnungstür geöffnet hatten - gut zu wissen, dass hier jemand aufpasst, wer so rein und rauskommt.
Doch Elodie und ich probierten noch ein bisschen aun der Haustür herum, versuchten sie von außen zu öffen, denn schließlich können wir nicht jeden Tag den armen alten Mann von seinem Sofa hochscheuchen. Da kam er wieder, schaute uns ungläubig an - wahrscheinlich dachte er bis dahin, dass wir einfach nicht kräftig genug waren - versuchte es selbst, und stellte fest, das tatsächlich etwas mit dem Schloss nicht stimmte. Als er sah, dass unser Schlüssel nicht zur Haustür passt, bat er Elodie und mich in seine Wohnung, die nach Kohl und alten Menschen roch, aber irgendwie trotzdem (oder vielleicht deswegen) gemütlich war. Er stellte uns seine Frau vor, eine süße Omi mit lila Obstflecken auf dem T- Shirt und beide zusammen erklärten uns in Englisch (!), dass ich doch bitte morgen früh um neun zu ihnen kommen soll und dann würden wir gemeinsam zu so nem Schlüssel-Heinz gehen und eine Kopie machen. Das nenn' ich mal Nachbarschaftshilfe!
Heute früh um neun stand ich vor seiner Tür und er erklärte mir so gut es ging, dass sie das Schloß aufgebrochen hätten, weil es auch nicht mit den anderen Schlüsseln zu öffnen ging. Jetzt bekommen wir ein neues Schloß und vielleicht ja auch einen Schlüssel dazu.

3 Kommentare:

sarah hat gesagt…

hm...man hätte es mit deutsch probieren können, ich meine, wenn die alle schon so alt sind.

und nein, jetzt bitte nicht falsch verstehen, aber uns hatte damals in dem einen café auch ein alter mann auf deutsch angesprochen. der konnte es eben noch von, naja, damals.

Anonym hat gesagt…

Cool, ich bin wieder eingeloggt, weiß aber nciht mehr, was ich vorhin schreiben wollte, aber schöne Geschichte, auch wenn es für euch in der Situation sicher nicht so lustig war ;)

Katha&Karl hat gesagt…

süß!!!...und nett!!!
private bodyguard...