Am Freitag 6:12 bin ich in den Zug nach Stettin gestiegen - Heimatbesuch...aber wie jetzt, Heimat? Zu Hause? Wo? Wer? Was?Aaaaah!!!
Aber eins nach dem anderen:
Mein lieber Opa hat am Samstag zusammen mit seinen kleinen Zwillingsbrüdern eine riesen Familien - Geburtstagsfeier veranstaltet - eine gute Gelegenheit die ganze Rasselbande von Onkels, Tanten, Cousins, Cousinen und angeheirateten, verstieft-dingsbumsten Menschen...also viele Leute mal wieder zu sehen.
Deshalb also der interessante und von vielen Leuten belächelte Plan mich für einen Wochenendbesuch insgesamt 20 Stunden im Zug durchschaukeln zu lassen.
Seltsames Gefühl, die Strecke, die ich vor mehr als zwei Monaten hierher gefahren bin, mal in die andere Richtung zu zuckeln. Seltsam, wie sehr sich mein Blick auf Polen in nur zwei Monaten schon verändert hat. Liebevoll muss ich Dinge belächeln, die mich bei meiner Ankunft fast noch ein bisschen geschockt haben. Und als ich in Stettin in den Zug der DB einsteige, der mich über die Grenze bringen soll, hab ich nicht nur ein bisschen das Gefühl mein Heimatland zu verlassen, sondern bin auch ehrlich geschockt, wie unglaublich mich die Durchsagen in den deutschen Zügen und Bahnhöfen nerven. Wie oft sitze ich in Polen im Zug und starre nervös aus dem Fenster um auch ja nicht den richtigen Bahnhof zu verpassen, der grundsätzlich nicht angesagt wird. Aber das in Deutschland ist irgendwie auch nicht besser: Alle 5 Minuten irgendeine nervtötende Stimme, die den Stopp im kleinsten Kaff in allen Sprachen der Welt, aber mit anstrengend deutschem Akzent durchgibt - wie soll man da ein Buch lesen, Vokabeln lernen oder ungestört aus dem Fenster gucken können? Im nächsten Zug von Angermünde nach Berlin hab ich die Ehre mit zwei Wir - sind - so - cool - und - hören - Gangster - Mucke - mit - dem - Handy - Typen im gleichen Teil des Zuges zu sitzen.
Aber es wurde besser. Niemand, den ich an diesem Wochenende traf, gab mir auch nur einen Augenblick lang das Gefühl, die letzten zwei Monate in einem anderen Land gelebt zu haben. Nein, es war als wäre ich nie weg gewesen.
Als ich dann am Sonntagabend auf dem Fußboden meines geliebten Zimmers eine Flasche Wein mit Lukas, Aaron, Frie und Ben leerte (danke, der Abend war einfach, aber super!) konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich am nächsten Abend wieder in Danzig sein sollte. Nicht weil es hier so furchtbar ist, sondern einfach weil es irgendwie zwei verschiedene Leben sind. Und so lang ich mich grad in dem einen aufhalte, kann ich mir das andere nicht vorstellen.
Meine beiden Leben sind ziemlich toll und zum Glück so unterschiedlich, dass ich sie nicht permanent vergleichen muss. Aber ein bisschen anstrengend ist das "Hin - und - Her - Springen" doch, irgendwie, wie auch immer.
Das Wochenende war schön, danke an alle, die dazu beigetragen haben (damit meine ich auch Telefonate, versuchte Treffen und zufällige Begegnungen auf der Straße); der Abschied war nicht leicht, aber auch nicht so hart wie der letzte (was wohl nicht weiter verwunderlich ist, denn zu Weihnachten gehts ja schon wieder gen Leipzig) und das Ankommen war seltsam, aber nicht so verquer wie vor zwei Monaten.
Das Gefühl von einem Zu Hause zum anderen zu fahren bleibt komisch, aber vielleicht kann man sich sogar daran gewöhnen.
Dienstag, 27. November 2007
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1 Kommentar:
oh mein Gott, kann ich bestens nachvollziehen...ne, eigentlich gar nicht. So sehr ich Zuhause vermisse, einfach mal für zwei Tage zurück wäre wie ein Traum - zus schön um wahr zu sein...beineide dich trotzdem ;) Küsschen
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